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Interview mit Bernd Volkert

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Natürlich muß man auch bei Leuten, die sich Kommunisten oder Anarchisten nennen, sehr auf der Hut sein und sicherheitshalber immer davon ausgehen, daß sie allerhand Schindluder treiben. Jedenfalls, um zum Thema zurückzukommen, war die kommunistische Literatur immer besser als die linke, also sozusagen Goethe natürlich besser als Grass.

Über den Autor:

Bernd Volkert wuchs in Lehenhammer bei Sulzbach-Rosenberg in der Gastronomie auf, wo er, nach Jahren des Empfangs von Lohn-, Staats- und Gewerkschaftsgeldern, mittlerweile wieder gelandet ist, allerdings in Berlin.

Die Gedichtsammlung von Bernd Volkert ist hier zu finden http://xs-verlag.de/bernd-volkert-immer-noch-nicht-hell.html

Siehe auch die Veranstaltung “Lyrik trifft Drama am Freitag, 13. November, 19:30 Uhr, in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstrasse 42, 12053 Berlin.

Warum Literatur? Warum Gedichte?

Wenn ein Verein freier Menschen etabliert werden soll, dann heißt dies nicht, dann heißt das keinesfalls isoliert, daß die Produktionsverhältnisse entsprechend verändert werden müßten. Stattdessen hieße eine solche von Menschen angestoßene Entwicklung, daß letztlich nichts mehr so sein wird, wie wir es kennen, wir selbst nicht und natürlich auch unsere Sprache nicht. Literatur, speziell Gedichte scheinen somit eine Option, sich um diesen Aspekt der Entwicklung zu kümmern – mehr als beinahe unweigerlich schon in den herrschenden, in den Herrschafts-Betrieb verwickelte und damit verhunzte politisch genannte Texte. Eine andere Variante für dasselbe Unterfangen können philosophische Texte sein, sofern sie sich einem fundamental philosophischen Antrieb verdanken, also, der Suche nach dem Guten, und dabei sich praktisch nicht als Spezialbeschäftigung verstehen oder äußern. Beides, Literatur und Philosophie, ist erfahrungsgemäß auch ein Hort für alles, was einstmals ‘reaktionäre Umtriebe’ genannt worden ist.

Und wie entgeht man dem Vorwurf des ‘Reaktionären’?

volkert_vorderseite_magentoAm Besten, wenn man in Mißachtung politischer Kategorien oder Direktiven schreibt. Sprache, Begriffe sind eine dem Menschen zur gegenseitigen Verständigung zur Verfügung stehende Möglichkeit, Erfahrungen in und mit der Welt zu fassen. Insofern ist es wohl gut, beim Formulieren seinen Ausgangs- und vielleicht auch den Endpunkt eben in der eigenen Erfahrung zu suchen und dabei alles Vorgefertigte zu vermeiden. Schematisch gesehen ziemlich genau das Gegenteil, was bei der Zerstörung der menschlichen Sprachfähigkeit durch die Politisierung der Sprache passiert, zum Beispiel im Deutschen bei der Einführung von Neuerungen, die einer wie auch immer gearteten Auffassung der Beziehung oder der Bedeutung der Geschlechter folgen sollen. Womit keinesfalls etwas gegen Neuerungen oder Veränderungen im Gebrauch der Sprache gesagt sein soll. Diese müssen allerdings aus dem Gebrauch der Sprache selbst sich entwickeln oder entwickelt werden, wie schon erwähnt, alles Vorgefertigte vermeiden, und last but not least auf jede Intention verzichten, daß durch und mit Sprache Politik gemacht werden sollte. Sicherlich kann man mit Sprache Politik machen, doch gleicht dies im Prinzip immer dem Vorgang der Gehirnwäsche. Man kann dies auch bei geschichtspolitischen Debatten und bei der früher so genannten ‘Minderheitenpolitik’ beobachten. Als Faustregel, die ich mal irgendwo aufgeschnappt habe, kann vielleicht gelten: Sprache korrekt, Denken verreckt.

Das klingt sehr stark gegen die Linke gerichtet.

Das mag und darf so sein. Ohnehin scheinen mir, wenn es schon sein soll, in all ihrer Beschränktheit Selbstbezeichnungen wie meinetwegen ‘kommunistisch’ oder ‘anarchistisch’ doch tauglicher, wenn man mit der Welt etwas die Grundfesten Erschütterndes vorhat, als sich den durch und durch politischen, also nach der bürgerlichen Revolution anti-emanzipatorischen Begriff ‘links’ aneignen zu wollen. Natürlich muß man auch bei Leuten, die sich Kommunisten oder Anarchisten nennen, sehr auf der Hut sein und sicherheitshalber immer davon ausgehen, daß sie allerhand Schindluder treiben. Jedenfalls, um zum Thema zurückzukommen, war die kommunistische Literatur immer besser als die linke, also sozusagen Goethe natürlich besser als Grass.

Soll das eine Art Plädoyer für eine revolutionäre Literatur sein?

Keineswegs. Es gibt vielleicht Literatur in der Revolution oder Literatur von Revolutionären, aber ‘revolutionäre Literatur’ wäre dann doch sowas wie ein schwarzer Schimmel. Ähnlich absurd schiene es mir, ein ‘revolutionäres Schreinerhandwerk’ zu fordern. Eine andere Faustregel: Leute, die eine revolutionäre Literatur wollen, wollen damit ausdrücken, daß sie halt keine Revolution wollen.

Und wie soll man dann schreiben?

Möglichst gut.

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