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Kunstwert in digitaler Kommunikation

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von LF, Kunsthistoriker, Berlin

*You can find the text also in English and Greek

Das Modell von Kunst als abgetrenntem Bereich der Bilder in der in der Gesellschaft wird zwar einer gesellschaftlichen Aufgabenteilung gerecht, aber nicht den wirklichen Prozessen zwischen beispielsweise Bild und Betrachter. In der Situation am Bild entfaltet sich genauso eine Realität wie in der Situation am Fließband, in der Situation im Bett. Ohne damit sagen zu wollen, dass diese Situationen gleichförmig sind. Die Wertbildung beim Kunstbildermachen mag sehr wohl eine andere sein als die des Werbebildermachens oder des Zurechtmachens des eigenen Gesichts, also des Eigenbilds. Eine besseres Verständnis von Kunst wäre dann aber, sie eben nicht auf den Status eines Mediums zu reduzieren, und ihren Realismus nicht auf Repräsentation. Zu verstehen, dass ein Kunstbild etwas anderes darf und kann als all die anderen Bilder, und dass dies zu retten ist. Um eine eingreifende Kritik gegen andere Bilder, die nur vermitteln dürfen, zu schaffen.

Die Bewusstheit von der Konstruiertheit der Dinge ist dabei wachzuhalten. Das bedeutet auch die Gestaltbarkeit des Vorgefundenen zu erkennen statt lediglich der Gestaltbarkeit der Vermittlung. Das hat dann auch Bedeutung für Gestaltung überhaupt. Zu erkennen was Gestaltung bedeutet. Werke zu machen, die das erwähnte Einsehen in Gestaltetsein und Gestaltbarkeit zulassen. Nicht gemeint als didaktische Vermittlung im Sinn eines zu enthüllender Tatbestand. Denn darin erschöpft sich nicht der sensorische Zugang zu den Objekten, sondern sie sind auch Objekt des Wollens oder des Ablehnens. Was im Gegenzug dann aber nicht bedeutet, dass es keine Aufrufe, keine Repräsentation, keine Illustration geben sollte. Vielmehr geht es auch darum, diese Formen nicht unter das Eine der Vermittlung zu gruppieren, sondern sich selbst gerecht werden zu lassen. Ein Kunstwerk fragt nicht nach Bedeutung, sondern nach Wirkung und Rezeption. Diese Wirkung ist auch an die Machtverhältnisse der Rezeptionssituation gebunden, aber der Werkcharakter als Kunst schließlich gibt die Autorität, um als mehr als nur als Vermittlung durchzugehen.

Sicher, manchmal kann diese Frage auch als die Frage nach Bedeutung verstanden werden, im grundsätzlichen Aushandeln von Bild und Sprache. Wir können uns dann auch ganz bewusst fragen: wie lässt sich mit diesem Bild mit Mitteln der Sprache ringen. Ein Grund des unauslöschlichen freien und offenen Anteils von Bildern liegt jedoch auch darin begründet, dass sie in ihrer organischen Visualität eine Universalsprache der Aktion und Reaktion begründen.

Kunst stellt einen Gebrauchswert zur Verfügung, der sich visuell reproduziert und nicht erschöpft. Diese Künstlichkeit, als überhöhte Konstruiertheit, als eine Konstruiertheit des nicht nützlichen aber höchst brauchbaren, scheint dann ihr Licht auf die ihr übergeordnete Kategorie. Zwei Schritte übergeordnet: das Objekt. Und nur eins übergeordnet: das Medium. Interessant sind dabei zur Zeit soziale Medien. Vernetzungsplattformen, auf die Leute mit Bildschirmgeräten zugreifen um dort in bildlich-textlichen (also medialen) Weisen zu interagieren. Der Begriff des sozialen Mediums will eigentlich ein Einschränken eines Begriffs (Medium) auf einen erweiterten Begriff (Netzkultur). Den weiten Begriff mit einem Anhängsel einzuschränken hilft nun nicht unbedingt weiter bei einem Begreifen und dem Entwickeln von Kompetenz. Grob können wir dennoch sagen: Es entfaltet sich eine Realität außerhalb der Übertragungsmedien, das ist das soziale an den sozialen Medien.

Wie der Begriff des Mediums ist auch der Begriff des Sozialen zu differenzieren. Das Einhegen der persönlichen Repräsentation in Industrienormen wird in den bestehenden Plattformen des sozialen Netzes zur Grundlage der Erlaubnis zum Mitreden gemacht. Im Gegenzug sind die Netze auch Mittel sind um gerade doch bei Schutz der Person mitzureden. Ein anonymer und geschützter Dialog entfaltet sich.

Kompetenz für Soziale Medien ist dann notwendig, um diese Gestaltbarkeit des Netzes, die eh nur noch sehr eingeschränkt ausgeübt wird, auf die Gestaltbarkeit der Gesamtwelt auszuweiten. Denn sonst täuscht die Beweglichkeit im elektronischen Raum nur über die sonstigen Grenzziehungen hinweg. Und die Aktivität wird ans Medium gebunden, groteskerweise.

Dies kann auf zwei Weisen geschehen. In der Verbildlichung der Erinnerungen werden diese tauschbar und nutzbar, ein schmaler Grat läuft zwischen Tagebuch als Selbststabilisierung und warenförmigem Ausverkauf der Erinnerungen als Verrat am Erlebten. Es findet dabei eine Normierung von Leben durch die selektive Popularisierung von Erlebtem auf dem Markt der erlaubten Abenteuer statt. Am Ende ist das Netz als Freiraum für all die Gespräche und sonstigen Interaktivitäten gleichzeitig die Datenbank der in Anspruch genommenen Freiheiten. Und die zweite Form der Bindung ans Medium liegt in der starken Verlagerung von Aktivität in die digitale Sphäre der Interaktivität. Es schadet der Intimität und Verbindlichkeit anscheinend, wenn sie in einen bildlichen und öffentlichen Raum gerät. Auf jeden Fall schadet es ihr, wenn sie dorthin verlagert wird. Es wäre angesichts des anhaltenden Trubels im öffentlichen Raum sicher verfehlt zu sagen dass die Menschen sich ins Netz zurückgezogen haben, trotzdem kann über den netzbasierten Alltag gesagt werden, dass er oft eben dort, im Netz, endet.

Es ist nun einerseits egal, wo die Jugend sich verschwendet. Aber was sie dabei tut, ist schon wichtig, jedenfalls wenn ihr noch eine gewisse Hoffnung zugeschrieben wird. In der Weite und Vielfalt des Netzes nur zu zocken und zu plaudern ist eine selbstverschuldete Unmündigkeit. Wobei dies von den Inhalten der Spiele und Gespräche abstrahieren würde. Doch genau diese Abstraktion verbindet sich tendenziell mit der Verlagerung in die Sphäre der digitalen Interaktivität. Als Raum der Massenvernetzung lädt sie zu Unverbindlichkeit ein, Beispiele sind Onlinepetitionen und sonstiger Clickactivism, Facebook-Event-Teilnahmelisten, Editierbarkeit und Löschbarkeit des Gesagten. Je nachdem ist das sicher auch genau das richtige, keinem Entscheidungszwang ausgesetzt zu sein, beweglich zu bleiben, Distanz zu wahren. Als Standard der sich durchsetzt, ist es jedoch zu problematisieren. Und doch, die digitale Weite sabotiert die genannten Prinzipien auch selbst. Der unermessliche Reichtum, der in Art und Weise der Kunst, also unerschöpflich, im Netz zum Gebrauch zur Verfügung steht, schafft Potentiale. Das Netz wirkt dann anregend auf eine Aktivität, die über das Medium hinausgeht. Dies passiert, wie oben zur Bildkunst beschrieben, eh die ganze Zeit wenn wir mit Werken zu tun haben, aber wichtig ist dennoch wie bewusst es passiert. Wenn wir wollen kommt es zur Krise des Mediums, wir können die Barrieren einreißen.

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