τελευταία νέα σε τίτλους

DEUTSCH: 81 Jahre danach erinnern wir daher an die Verbrechen des 9. November 1938.

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Join 3,141 other followers

Der Kampf gegen antisemitische Ideologie und ihren fetischisierten Begriff von Antikapitalismus ist integraler Bestandteil jedes emanzipatorischen und kommunistischen Unterfangens. 81 Jahre danach erinnern wir daher an die Verbrechen des 9. November 1938.

81 Jahre sind seit dieser schrecklichen Nacht vergangen, die den Auftakt systematischer Vernichtungsmaßnahmen gegen Juden und Jüdinnen in Europa markierte. Nach der Niederschlagung der kommunistischen Bewegung und der Machtübernahme durch die NSDAP führte das Hitler-Regime antisemitische Gesetze und Maßnahmen ein. Die über eine halbe Million in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen wurden zu Sündenböcken für jegliche Probleme im Land erklärt; Die Niederlage im Ersten Weltkrieg, die Hyperinflation 1921-1923 und die Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre.

Der Kulminationspunkt dieses Verbrechens war Auschwitz.

81 Jahre später ist Antisemitismus immer noch die organische Grundlage jeder faschistischen Ideologie. Antisemitische Übergriffe nehmen europaweit zu. Nur wenige Wochen sind seit dem mörderischen antisemitischen Angriff von Halle vergangen, eine neue Eskalationsstufe im Land der Täter des Holocaust. Jedoch gebiert nicht nur die neonazistische Ideologie den heutigen Antisemitismus, in fielen Fällen stehen eine antiimperialistische Linke oder fundamentalistische religiöse Gruppen Pate.

Es sei angemerkt, dass der Angriff von Halle nur wenige Tage nach Angela Merkels Erklärung, die antiisraelische Haltung Irans sei nicht antisemitisch, passierte. Diese illustriert eine gewissermaßen verdeckte antiisraelische Haltung bundesdeutscher Politik. Nicht zur Kenntnis genommen wird hier im Interesse der deutschen Kapitalfraktionen und staatlicher Interessen, dass der Iran eine offizielle Linie der Holocaustleugnung verfolgt, was ihn durchaus heraushebt, da kein anderes Land einen solchen Standpunkt offiziell vertritt. Holocaustleugnung ist in der gesamten iranischen Elite vorzufinden und findet ihren Ausdruck in der „Holocaust-Konferenz“ in Teheran 2006, einer den Holocaust leugnenden Ausstellung in Teheran 2007 und wiederholten Äußerungen des ehemaligen Staatspräsidenten Ahmadinejad und anderen führenden Vertretern Irans.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland stark zugenommen. Wir wollen an dieser Stelle auf einige Beispiele aus hunderten hinweisen:

Hannover, 2016: Ein jüdischer Friedhof wird drei Mal in einem Jahr verwüstet. Die Täter entfernen einmal zwei Grabsteine und werfen eine Scheibe neben einem Betsaal ein. Im Dezember 2016 geschieht Ähnliches: Mehrere Grabsteine werden aus dem Boden gerissen und geschändet. Vorausgegangen war diesem Vorfall das Beschmieren eines Grabsteins mit einem Hakenkreuz, das Beschmieren mit Farbe von anderen und erneut das Zerstören einer Scheibe.

Wuppertal, 2017: Ein Gericht befindet, die versuchte Brandstiftung an einer Synagoge 2014 sollte Kritik am israelischen Vorgehen in Gaza ausdrücken.

Chemnitz, 2018: Eine Gruppe mutmaßlicher Neonazis greift während der damaligen rechtsradikalen Ausschreitungen ein koscheres Restaurant an.

Währenddessen häufen sich in Berlin antisemitisch motivierte Übergriffe in Bezirken wie Neukölln und Mitte (an der Neuen Synagoge). Laut einiger Kriminalstatistiken überholt Berlin damit Malmö als die europäische Hauptstadt des Antisemitismus.

Antisemitismus bleibt also weltweit und in Deutschland traurige Realität, allem „Nie wieder!“ nach dem 2. Weltkrieg zum Trotz.

Woher also kommt der Antisemitismus heute?

Theodor W. Adorno begann seine heute als „Erziehung nach Auschwitz“ bekannte Rede einst mit der Forderung, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“ Sie scheint im Land der Täter nicht befolgt zu werden.

Wir alle kennen den deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte, die oberflächliche Behandlung des Themas an Schulen und Universitäten hinsichtlich der Ursachen der Machtübernahme durch die Nazis.

Geschichtsrevisionismus nimmt eine zentrale Rolle im nationalen deutschen wie auch europäischen Narrativ ein. Im Historikerstreit der 1980er unternahmen Historiker und Hillgruber den Versuch, die KZ durch die Gleichsetzung mit den Arbeitslagern der UdSSR zu erklären und so zu verharmlosen. Sie zielten damit auf die Einzigartigkeit der Naziverbrechen. Primo Levi schrieb dazu: „Der Zweck des Lagers war die Vernichtung der Juden in Europa. Keiner war ausgenommen, man konnte sich vom Judentum nicht lossagen; die Nazis behandelten die Juden als Volk, nicht als Religionsgemeinschaft.“

Hierin liegt der Unterschied zum Gulag: Dort wurden in der Regel als solche ausgemachte Feinde des Stalinismus inhaftiert. Die Nazis aber sahen das Judentum als die „Gegenrasse“ schlechthin an, von deren Vernichtung das Schicksal der Welt abhinge. Als weltweit erste schufen die Nazis daher eine wahrhafte Todesindustrie, deren Perfektion Auschwitz darstellte. Jede Gleichsetzung anderer Taten hiermit ist schlicht Antisemitismus, zum einen zur Reinwaschung der deutschen Geschichte, zum anderen, um kommunistische Ideen pauschal in Misskredit zu bringen.

Es konnte in einem Land wie der BRD gar nicht anders sein, in dem trotz Entnazifizierung viele Parteimitglieder und Funktionsträger des Naziregimes, mitunter Kriegsverbrecher, nicht nur straffrei davon kamen, sondern oft als Bürgermeister, Richter und ähnlichem in Amt und Würden verbleiben beziehungsweise ihre Karrieren fortsetzen konnten. Vielen gelang die Zerstörung von Beweisen für bis heute ungesühnte Kriegsverbrechen. Doch das Problem reicht über solche Personalien hinaus: Hans Globke, Mitverfasser der Nürnberger Rassengesetze, war von 1953-1963 Staatsminister im Kanzleramt von Konrad Adenauer. Reinhard Gehlen, Generalmajor des Geheimdienstes der Wehrmacht gründete den Vorläufer des Auslandsgeheimdienstes BND und leitete letzteren bis 1968.
Auch die DDR ignorierte im Geiste einer antifaschistischen Gegenwart mitunter die nationalsozialistische Vergangenheit, die sie nicht als Teil der eigenen Geschichte ansah.

Hinzuweisen ist auch darauf, dass das Europaparlament erst vor einigen Wochen beschloss, Kommunismus und Faschismus seien erinnerungspolitisch gleich zu behandeln, nichts weniger als die Reinwaschung der Faschisten und ihrer Taten sowie ein Schlag ins Gesicht antifaschistischer Praxis.

Antikommunismus nimmt so seinen Platz neben dem Antisemitismus an der Basis des ideologischen Narrativs kapitalistischer Herrschaft ein.

Die Erinnerung an die Ereignisse vor 81 Jahren fällt zusammen mit dem 30. Jahrestag des Mauerfalls. Neonazis, die AfD und andere rechte Gruppierungen nutzen diesen Anlass, um auf die Straße zu gehen. Zeitgleich wird der Mauerfalls als Auftakt der Wiedervereinigung und Ende des Totalitarismus und der Blockkonfrontation von der gesellschaftlichen Mitte gefeiert.

Was sind weitere Quellen des heutigen Antisemitismus?

Kampagnen wie BDS zielen auf die Zerstörung des israelischen Staates, was de facto einem neuerlichen Genozid gleich käme. Zudem provozieren sie lokal zum Beispiel durch eine Demonstration heute, dem Jahrestag der Pogromnacht. Antisemitische Positionen sind in der Linken weit verbreitet, für gewöhnlich unter dem Banner des Antizionismus.

Sind alle Formen des Kampfes gegen Antisemitismus gleich?

CDU, FDP, SPD – Viele Kräfte des politischen Mainstreams erklären heute ihre Gegnerschaft zum Antisemitismus. Doch was bedeutet das? Worin unterscheidet sich diese Kritik des Antisemitismus von einer kommunistischen? Erstere verweigert sich einer Analyse der dem Antisemitismus zugrunde liegenden Motivationen, die zur Endlösung führten, da dies die Geschichte der bürgerlichen Aufklärung und Moderne in Frage stellen müsste. Eine kommunistische Kritik hingegen verlangt ein Verständnis der kapitalistischen Moderne in ihrer Gesamtheit und Komplexität. Wie Max Horkheimer einst sagte: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“

Die kapitalistische Moderne steht erneut vor ihrer größten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Neofaschistische und neonazistische Bewegungen haben wieder Aufwind und beweisen, dass 1945 kein Endpunkt war. Überdies scheint dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer, ungeachtet aller pompösen Erklärungen vom Ende der Geschichte beziehungsweise der großen Erzählung eine neue Runde im Klassenkampf eingeläutet, von den europäischen Metropolen nach Chile. In einer kapitalistischen Welt der ungewissen Zukunft gilt es, erneut die Waffen der Kritik gegen alles Bestehende zu richten und mehr noch, uns zu organisieren, um einen weiteren großen Schritt zu tun.

Der Kampf gegen Antisemitismus kann vom Kampf gegen Kapitalismus nicht getrennt werden.

Dieses Flugblatt ist weder der Anfang noch das Ende der kommunistischen Debatte über Antisemitismus. Sollten Dich die hier vorgebrachten Punkte interessieren, kontaktiere uns gern unter shadesmag@riseup.net

81 Jahre nach dem Pogrom von 1938, in ungebrochener Erinnerung

Einige Kommunist_innen.

About furdenkommunismus (19 Articles)
για τον κομμουνισμό

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Βερολίνο: Πορεία μνήμης για τη νύχτα του πογκρόμ 1938
  2. Βερολίνο: Πορεία μνήμης για τη νύχτα του πογκρόμ 1938 – Κομμουνιστές/τριες με μνήμη

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d bloggers like this: