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Für die kommenden Pandemien: Notiz über das Kapital als eine geologische Kraft der Katastrophe

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Lucifugo, a diavolo in corpo

Epidemien, sowie die Geschichte der Gesellschaften mit denen sie verknüpft sind, sind nicht nur pure biologische Daten und rigide interpretierbare Fakten. Es ist verbreitetes Forschungswissen – wenn auch im tiefsten Sinn kaum verstanden – dass alle viralen und ein großer Teil der bakteriellen Infektionen ihren Ursprung im historischen Kreislauf der Tierhaltung haben. Diese symbiotische Beziehung war der Ursprung von potentiell virulenten Übersprüngen von einer Spezies auf die andere (Zoonosis), mit der Erzeugung neuer Pathogene. Wir sprechen hier über den Prozess der Domestizierung, der seine besondere Charakteristik innerhalb definierter sozialer Formen menschlicher Interaktionen mit der irdischen Natur erhält.

Die Erkältung, zum Beispiel, kommt von Viren – inklusiven einem Coronavirus Strang – der aus der Haltung von Pferden durch Menschen stammt. Genauso kamen Pocken von Kühen, Masern vom Schwein, Windpocken von Hühnern, Grippe von Enten, Schweinen, Geflügel, etc. Die konstante biologische Immunisierung gegen diese Infektionen, die heute als universelle Tatsache genommen wird, ist im Gegenzug der abschließende Schritt – auf der Ebene des Genmaterials – von einem Prozess der Organisierung des sozialen Lebens basierend auf Anstieg der Bevölkerungsdichte und auf dem Boden von Souveränitäts- und Hierarchiebeziehungen von Macht und Gehorsam.

In anderen Worten, eine Situation von hunderten Jahren besteht in der, zum Beispiel, Europas arme ländliche Bevölkerung gezwungen ist im direkten Kontakt mit dem Kot und Ausscheidungen, etc. der wenigen Tiere die zur Arbeit und zum Essen etc. besessen wurden zu leben. Diese anhaltenden klassenkulturelle Phänomen beinhalten eine Serie von historischen tödlichen Epidemien, die Grundlage der Immunisierung dabei aus der vereinigten Tod-Überleben Dialektik entstehend, an deren Ende erst die biologische Immunität erreicht wird. Letztere zu erlangen löscht nicht nur die Gefahr einer Epidemie durch das individuelle Pathogen aus; hinter dem „universellen“ biologischen Fakt riskiert der denkende Geist den besonderen historischen Pfad und den konkreten sozialen Impetus der zu ihm führte aus dem Blick zu verlieren.

Um mit dem Europäischen Beispiel weiterzumachen, die Epidemie der Beulen- und Lungenpest („Schwarzer Tod“), die Europa im vierzehnten Jahrhundert heimgesucht hat, kann in ihrer Entstehung und Ausbreitung nicht außerhalb der kapitalistischen Vorgeschichte verstanden werden: die Akkumulation von Warenkapital durch die Bildung von Fernhandelswegen (Italien-China) bei gleichzeitiger formaler Unterordnung der Arbeit unter das Kapital in sich wandelnden städtischer Zentren gefüllt mit verarmten ländlichen Massen, aufgezwungen von einer neuen Tyrannei: der Lohnarbeit.

In Anbetracht all dessen war der typische Mangel an biologischer Immunität der amerikanischen Ureinwohner gegen Masern, Windpocken usw. charakteristisch, die dann innerhalb weniger Jahrzehnte, während des 16. und 17. Jahrhunderts und über den europäischen Kolonialismus, durch diese Epidemien dezimiert wurden, während sie in Europa zur gleichen Zeit ihren Infektionszyklus abgeschlossen hatten, weniger tödlich wurden und epidemiologisch zu Infektionskrankheiten der Kindheit herabgestuft worden waren.

All dies, als die geringsten gedanklichen Werkzeuge, ist nützlich, um die neue Coronavirus-Pandemie (Covid-19) auf eine konkrete historische und theoretische Grundlage zu stellen. Diese Pandemie kommt nicht aus heiterem kapitalistischen Himmel. Innerhalb der letzten Jahrzehnte sind neue Viren [SARS (ein weiteres Coronavirus), Ebola, Schweine- und Vogelgrippe usw.] aus den Tiefen der Kapitalakkumulation hervorgegangen, nämlich aus der Logik der Valorisierung, die eine kriminelle Beziehung zwischen Mensch und irdischer Natur auferlegt.

Aus der Perspektive der Inwertsetzung des Kapitals existiert die irdische Natur nicht als solche, als “Andersartigkeit”, die eine grundlegende Bedingung der menschlichen Existenz darstellt, sondern nur als einheitlicher unbelebter Rohstoff für die Produktion einer einzigen Warenwelt. Für die soziale Megamaschine des Kapitals ist die menschliche und nichtmenschliche Natur insgesamt nur ein endloser Strom von Roh- und Treibstoffen zur Erzeugung von Werten. Das vorkategorische und bewusst-unbewusste Ziel der Kapitalakkumulation als Wert, der sein Selbst durch abstrakte Aktivität für Geld verwertet, ist die Umwandlung der lebendigen und nicht lebendigen Vielfalt der irdischen Natur in einen toten Planeten, der untauglich und lebensfeindlich ist.

Die kapitalistische Agrarproduktion, die Produktion von Fleisch und seinen Derivaten ist ein wissenschaftliches Todessystem, das die lebende und die nicht lebende Natur auf zweifache Weise zerstört:

– Förderung gigantischer Ländereien von Monokultur, die die Zusammensetzung der Ökosysteme stören und die konkrete biologische Vielfalt der Lebewesen, aus denen sie sich zusammensetzen, verwüsten

– die Konzentration von „Tieren“ für die massenhafte Zucht – Aufziehung – Schlachtung – in riesigen industrialisierten Gebieten unter Bedingungen, die in der Natur nirgendwo zu finden sind

– die schizophrene Ausdehnung des städtischen Gewebes als Voraussetzung und als Folge des oben genannten, die Abholzung der Flora und die Vertreibung der Fauna.

Mit der allgemeinen Destabilisierung der Ökosysteme und ihrer vollständigen Ersetzung durch „künstliche Umgebungen“ wird die Tautologie des Kapitals zu einer geologischen Macht erhoben, die die idealen Bedingungen für die Massenisolation und die Umwandlung von Mikroorganismen in neue Krankheitserreger mit unvorhersehbarer infektiöser Kraft und Fähigkeit schafft. Eine Vielzahl von Mikroorganismen, die seit Tausenden von Jahren mit einer bestimmten Tierart symbiotisch verbunden sind und sich in einem konkreten Ökosystem entwickelt haben, wird plötzlich mit einer Fülle unbekannter „Umgebungen“ und „Herausforderungen“ konfrontiert, wodurch sich ihre „mutagene Fähigkeit“ exponentiell vervielfacht, was zur unvermeidlichen Geburt vieler und potenziell tödlicher pandemischer Krankheitserreger führt [1]. So kann nur ein Teufelskreis gegenseitiger Kausalität geschaffen werden, in dem sich die Krise der globalen kapitalistischen Gesellschaftsform beschleunigt und durch die „Krise“ der planetarischen Ökosysteme mit beispiellosen Entwicklungen und Folgen in beiden Richtungen beschleunigt wird.

Schematisch gesprochen unternimmt die kapitalistisch geeinte Menschheit unter der „unsichtbaren Bedrohung” des Coronavirus und durch die Hand ihrer typischen Herrschenden Schritte zur Rettung ihrer kapitalistischen und nationalen Existenz. Die neue nationale Einheit baut auf der Isolation und Selbstdisziplin der verstummten „Stay at Home“ Körper auf, die nur zirkulieren, um das Notwendige zu konsumieren – das Notwendige zu produzieren – um sich selbst als notwendige Ware für das Kapital zu reproduzieren, Quarantäne und dauerhafte Verbote durchlaufend, die, immer autoritärer werdend, die Symptome des Bösen noch mehr verteufeln werden, indem sie die strukturellen Ursachen der Pandemie in ein phantasmagorisch infektiöses „Anderes“ überführen. Mit anderen Worten, das Coronavirus bringt die abstrakte schizoide Natur der bürgerlichen Subjektivität ans Tageslicht und verdeutlicht sie, wobei jedes einzelne Individuum als „Bürger“ dazu aufgerufen ist, zu Hause zu bleiben, sich verantwortungsbewusst zu verhalten, alles online zu erledigen [2] oder aber bestraft wird, wenn es „frei“ zirkuliert ohne einen für die staatliche Autorität ausreichenden Grund, während dasselbe abstrakte Individuum als Verkäufer von Arbeitskraft keine andere Wahl hat, als jeden Tag „frei“ zur Arbeit zu strömen und alle Ansteckungsrisiken einzugehen, die ein „verantwortungsbewusster Bürger“ vermeiden muss.

Das neue Coronavirus mag das mutierte Produkt der internationalen Zivilisation des Werts-in-Krise sein, aber die Form des Pandemie-Managements spiegelt die nationalen Interessen der Staaten, wie sie sich in der Arena des globalen Wettbewerbs herausbilden, wider und bezieht sich auf diese. Die Coronavirus-Epidemie nahm schnell eine pandemische Dimension an, und zwar nicht aufgrund einer abstrakten “Globalisierung”, sondern durch die Abneigung der Nationalstaaten, die auch der Hauptfokus der Epidemie waren, als allererstes die Wirtschaft zum Stillstand zu bringen. Und diese Zurückhaltung ist kapitalistisch gerechtfertigt durch den kommerziellen Druck, der durch den internationalen/zwischenstaatlichen Wettbewerb auf jeden Staat ausgeübt wird. Erst als das Coronavirus zu einer informellen Pandemie wurde, die mehr Staaten betraf, d.h. erst als es ihm gelang, den transnationalen Wettbewerb zu beeinträchtigen, begannen die einzelnen Staaten, „außerordentliche Maßnahmen“ zu ergreifen, nicht so sehr, um die Ausbreitung des Virus auf die Gemeinschaft zu beschränken, sondern um ihre nationalen Kapitale vor der raschen und unvorhersehbaren Entwertung zu retten.

Der globale soziale Kreislauf der Kapitalverwertung als unaufhörliche Bewegung von Produktion – Zirkulation – Konsum von Gütern ist inmitten der Stagnation und der Unbeweglichkeit, die durch das pandemische Infektionsrisiko auferlegt werden, kurzgeschlossen; jeder Staat ist aufgerufen, seinen Wertkurzschluss zu regulieren und dabei zynisch die einzige Solidarität zu zeigen, die sie kennen: die Koordination mit allen Staaten, um die Schwierigkeit allein und gegen alle zu überwinden, wobei alle zusammen soviel wie nur geht vom Proletariat abpressen. Was dann wenn in Norditalien die Kadaver „in den Karren geladen“ werden? Was in Italien und anderswo als „Public Health“-Krise erscheint, hat mit Kapital zu tun, das in erster Linie Profit und Wert reproduziert, während „Leben“ und „Menschen“ nebenbei stehen. Das alternde industrielle Herz Italiens – und der kapitalistischen Welt im Allgemeinen – pumpt jetzt und buchstäblich das Blut der Subjekte der Akkumulation, insbesondere derjenigen, die darauf angewiesen sind, ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen, um ein Leben zu führen, das sie erdrückt, denn das Kapital-in-Endkrise reproduziert Äquivalenz zwischen Profit und Tod.

Die neue Coronavirus-Pandemie ist in vielerlei Hinsicht ein unverkennbarer Spiegel der Sackgassen des herrschenden Denkens und der Praxis der Gesellschaften des Kapitals, ein Spiegel, der die unlösbare Polarisierung und Schwankung zwischen den Pseudo-Dipolen, die die kapitalistische Moderne und das bürgerliche Subjekt definieren, nicht nur reflektiert, sondern – zu Extremen führend – verschärft: National und international, öffentlich und privat, Staat und Individuum, Politik und Ökonomie, Wissenschaft und Alltagsverstand, Mensch und Natur usw. Die Gesundheitskrise ist nur ein Aspekt der tiefsten Krise, die sich durch alle funktional getrennten Sphären der kapitalistischen Gesellschaften zieht, wobei der Vormarsch des Coronavirus die historische Unfähigkeit des Kapitals hervorhebt, seine eigenen zerstörerischen Widersprüche zu bewältigen, die die Menschheit bis knapp an die Selbstzerstörung drängt. Die makabre Ironie der Geschichte besteht darin, dass die „nationalen Ureinwohner des Kapitals“ für die Coronavirus-Pandemie das sind, was die Ureinwohner Amerikas für die Epidemie von Masern, Windpocken und so weiter waren. Beide wussten nicht, „woher es kam“, trotz aller Maßnahmen und Rituale, die sich jeweils mit dem tatsächlichen Übertragungsrisiko befassten.

Trotz der Verdrossenheit unserer Zeit ist nicht alles verloren. Mit der Stimme des Staates wird das Kapital durch eine unerwartete Pandemie gezwungen, die Regelmäßigkeit des bürgerlichen Alltagslebens im Namen seiner „ewigen“ Rückkehr zu untersbrechen. Mit anderen Worten: Es ebnet den Weg für neue, vielleicht noch tödlichere Pandemien und noch größere Verbrechen, die die wirklichen Grundlagen des Lebens selbst bedrohen.

Unter der unerträglichen Last unseres drohenden Aussterbens, manchmal theoretisch, manchmal unmittelbar erlebt, gelingt es uns vielleicht gemeinsam (als “Spezies”, als “Klasse”, als “menschliche Gemeinschaft” und was auch immer), einen Riss im Leichentuch der Akkumulation, in das wir alle gehüllt sind, zu erzeugen and gemeinsam hindurch zu treten, en-masse zum Leben, das Gewand des Todes zerreißend.

Fußnoten

[1] Die Epidemie des tödlichen Virus Ebola, die sich vor Jahren in Westafrika ausbreitete, folgte religiös der Monokultur des Palmöls – die Fledermäuse verehren – und die auch die Quelle des neuen Erregers sind, der die Epidemie verursacht hat. Die tierische Quelle des neuen Coronavirus ist im Moment wahrscheinlich unbekannt, aber der soziale Prozess, der es hervorgebracht hat – und darauf kommt es wirklich an – ist derselbe: die geologische Macht des Kapitals.

[2] Das Banner der Telearbeit die auf der Blase des digitalen Kapitalismus weht, ist nicht nur eine dystopische Offensive des Kapitals in die Höhen der fiktiven Verwertung. Sie profitiert wirklich von der Pandemie, indem sie den Zusammenbruch der “realen” Wirtschaft vernetzt.

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